Metanavigation:

Hier finden Sie den Zugang zur Notfallseite, Kontaktinformationen, Barrierefreiheits-Einstellungen, die Sprachwahl und die Suchfunktion.

Navigation öffnen
Das Bild zeigt Blutröhren auf einem Tisch.

Diversitäts- MindestIndikatorenSatz

Erfassung von Geschlecht und anderen Diversitätsbereichen in Deutschland.

Gertraud Stadler PhD*, Marie Chesaniuk MA* , Stephanie Haering MSc , Julia Roseman MSc , Vera Maren Straßburger Dipl.Psych. , Diversity Assessment Working Group, Martina Schraudnerg

Sie befinden sich hier:

Innovative und inklusive Gesundheitsversorgung

Für eine innovative und inklusive Gesundheitsversorgung ist es unabdingbar, Vielfältigkeit in Gesundheitsdaten sichtbar zu machen. Nur wenn Diversitätsbereiche erfasst werden, können ungleiche Gesundheitschancen systematisch analysiert und abgebaut werden (siehe Artikel für Hintergründe und Beispiele). Erst dann wird deutlich, wie verschiedene Diversitätsdomänen sowie deren Intersektionen Gesundheit und das Gesundheitssystem prägen und diese Informationen für Innovation, Inklusion und Wandel nutzen. In Deutschland ist eine systematische Berücksichtigung individueller Unterschiede in der Gesundheitsforschung und -versorgung derzeit noch nicht etabliert. Vielmehr gibt es eine beträchtliche “Geschlechter- und Diversitätsdatenlücke” (‚gender and diversity data gap‘), die Evidenzgrundlagen für diversitätssensible Medizin sind derzeit noch sehr begrenzt. Doch derzeit setzen sich viele gesellschaftliche Akteure für einen Wandel ein. Wir stellen dazu einige Initiativen aus Politik, Forschungsförderung und beruflichen Fachverbänden vor. Die deutsche Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag 2021 das Ziel gesetzt, ein “diverses, inklusives und barrierefreies Gesundheitswesen” (SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP, 2021, p. 85) zu erarbeiten. Neben geschlechtsbezogenen Unterschieden in Versorgung, Gesundheitsförderung und Prävention sollen auch weitere Aspekte von Diversität zukünftig verstärkt berücksichtigt werden und Zugangsbarrieren, Diskriminierung und Stigmatisierung im Gesundheitswesen abgebaut werden (SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP, 2021). Weiterhin empfiehlt die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 2020 die Reflektion der Bedeutung von Geschlecht und Vielfältigkeit in der Vorbereitung eines jeden Forschungsprojekts als Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis (Deutsche Forschungsgemeinschaft, 2020). Während die Relevanz von Geschlecht und Diversität international bereits von vielen Förderorganisationen 41 abgefragt wird, nimmt die DFG damit im deutschen Wissenschaftssystem eine Vorreiterrolle ein. Weiterhin hat die DGPs im Mai 2022 eine neue Kommission mit dem Schwerpunkt “Diversität, Inklusion und Chancengleichheit” eingerichtet (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2022). Für einen nachhaltigen Fortschritt ist jedoch umfassenderer Wandel hin zu einer diversitätssensiblen Gesundheitsversorgung notwendig, der mit dem Schließen der Diversitätsdatenlücke beginnt. Um dieses Vorhaben möglichst schnell umzusetzen und damit die Grundlage für eine gleichberechtigte und innovative Gesundheitsversorgung zu ermöglichen, schlagen wir die routinemäßige Erhebung von Diversitätsdaten in empirischen Studien der Medizin und Lebenswissenschaften vor. Um die Umsetzung dieses Vorhaben zu erleichtern, haben wir einen DiversitätsMindestIndikatoren-Satz (DiMIS; Diversity Minimal Item Set) mit nationalen und internationalen Expert*innen der Diversity Assessment Working Group und Unterstützung der Berlin University Alliance entwickelt, den Forschende leicht in ihre routinemäßige Datenerhebung integrieren können. Der DiMIS umfasst die im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG; Antidiskriminierungsstelle des Bundes, 2006) und den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen verankerten Antidiskriminierungsbereiche und ergänzt diese zu einem umfassenden Spektrum. Insgesamt werden zehn Diversitäts- und Gleichstellungsbereiche abgebildet: Geschlecht, Alter, sozioökonomischer Status, Sorgearbeit, sexuelle Orientierung, Ethnizität, Religion und Weltanschauung, psychische Gesundheit, Behinderung und körperliche Gesundheit. Zusätzlich wurde ein Item zu wahrgenommener Diskriminierung in diesen Bereichen aufgenommen. Damit ermöglicht der DiMIS eine Vielzahl an Erkenntnissen zu einzelnen Diversitätsbereichen sowie intersektionale Perspektiven. Kriterien für die Itemauswahl waren (1) eine größtmögliche 42 Inklusivität bei (2) möglichst kurzer Ausfülldauer, (3) die Vergleichbarkeit der Items mit Daten der Allgemeinbevölkerung sowie (4) die Verfügbarkeit der Items in Englisch und anderen Sprachen (z.B. Studie „Gesundheit in Deutschland Aktuell“, GEDA; European Health Interview Survey, EHIS; Robert-Koch-Institut, 2021). Im Folgenden stellen wir den für den deutschen Kontext adaptierten DiMIS (s. Tabelle S1) vor und erläutern, welche Anpassungen wir jeweils getroffen haben. Weiterführende Informationen zur Erstellung des DiMIS, allgemeine Empfehlungen zur Implementierung, eine Erläuterung der Relevanz jedes Diversitätsbereichs sowie eine Diskussion der Ergebnisse stellen wir im Hauptartikel vor.Für eine innovative und inklusive Gesundheitsversorgung ist es unabdingbar, Vielfältigkeit in Gesundheitsdaten sichtbar zu machen. Nur wenn Diversitätsbereiche erfasst werden, können ungleiche Gesundheitschancen systematisch analysiert und abgebaut werden (siehe Artikel für Hintergründe und Beispiele). Erst dann wird deutlich, wie verschiedene Diversitätsdomänen sowie deren Intersektionen Gesundheit und das Gesundheitssystem prägen und diese Informationen für Innovation, Inklusion und Wandel nutzen.

Arbeitsgruppe zur Bewertung der Diversität

Auma, Maisha- University for Applied Sciences, Magdeburg-Stendal, Germany

Banas, Kasia- University of Edinburgh, UK

Borde, Theda- Alice Salomon Hochschule, Berlin, Germany

Buspavanich, Pichit- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Dewey, Marc- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Di Maio, Sally- Freie Universität Berlin, Germany

Ditlmann, Ruth- Hertie School, Berlin, Germany Enarovic Ilona Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Fischer, Marina- Charité Universitätsmedizin Berlin, & WZB Berlin Social Science Center, Germany Gellert, Paul-Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Gerstorf, Denis- Humboldt-Universität zu Berlin, Germany

Grittner, Ulrike- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Gutsell, Jennifer- Brandeis University, Waltham, MA. USA

Hagelskamp, Carolin- Berlin School of Economics and Law

Henschel, Anna- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Herrmann, Wolfram- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Hilger, Caren- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Hövener, Claudia- Robert Koch Institute, Germany

Hunter, Emma- University of Aberdeen, UK Iida Masumi School of Social and Family Dynamics, Arizona State University, USA

Keller, Lena- University of Potsdam, Germany

Kendel, Friederike- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Krumbholz, Charlotte Ariane- Charité Universitätsmedizin Berlin; Intergeschlechtliche Menschen e.V. Bundesverband, Germany

Licha, Matthias- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Mason, Kimberly- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Mata, Jutta- University of Mannheim, Germany

Mau, Steffen- Humboldt-Universität zu Berlin, Germany

Meuwly, Nathalie- Université de Fribourg, Switzerland

Moschko, Tomasz- Charité Universitätsmedizin Berlin, University of Tuebingen, Germany

 Müller-Werdan, Ursula- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

O’Sullivan, Julie Lorraine- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany Radl Jonas WZB Berlin Social Science Center, Germany

Rathmann, Christian- Humboldt-Universität zu Berlin, Germany

Regitz-Zagrosek, Vera- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Rieckmann, Nina- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Rommel, Alexander- Robert Koch Institute, Germany

Salikutlu,k Zerrin- Humboldt-Universität zu Berlin, Germany

Shrout, Patrick E. - New York University, USA

Smith, Jamie- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany Specht Jule Humboldt-Universität zu Berlin, Germany

Stephan, Petra- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Stock, Christiane- Charité Universitätsmedizin Berlin, Germany

Wenze, l -Mine Andersraum e.V. Hannover, Germany

 

https://psyarxiv.com/bjyms/