Prävention und Gesundheitssystem

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Besonders im Rahmen der geschlechtsspezifischen Forschung wird der Einfluss von psychosozialen und psychologischen Krankheitsvariablen immer wieder bestätigt. Diese Variablen haben Einfluss auf Krankheits- und Erholungsverlauf und stellen somit wichtige Faktoren für klinischen Erfolg und folgendes Wohlbefinden der Patienten/innen dar.

Wir untersuchen den Einfluss von gerade diesen Variablen im Rahmen der Kardiologie und der Pulmonologie.

Das GiM ist im Rahmen des DZHK wesentlich an der Planung einer deutschen Präventionsstudie "German Prevention Study" beteiligt.
Das GiM führt in Berlin die Studie Risikoevaluation bei Frauen in Berlin (BEFRI) durch.

Berliner Frauen Risikoevaluation (BEFRI)

Risikoevaluation für Herz-Kreislauferkrankungen an Frauen in Berlin
Frauen sind weltweit über Ihr Risiko an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken und zu versterben, unzureichend informiert. Einige Risikofaktoren ebenso wie einige protektive Faktoren unterscheiden sich bei Frauen und Männern.  Eine geplante repräsentative  Studie an 1000 Berliner Frauen soll die Selbsteinschätzung des kardiovaskulären Risikos bei Frauen im Ballungsraum Berlin und die Bereitschaft zur Prävention evaluieren. Sie soll das selbstgeschätzte Risiko mit objektiven Daten zu dem kardiovaskulären Risiko der Betroffenen vergleichen und die Häufigkeit neuer frauentypischer Risikofaktoren (Rheumatische Erkrankungen, Depression, Schwangerschaftskomplikationen) identifizieren. Sie soll das Bewusstsein für die Vermeidung von Risikofaktoren abfragen und wecken.

Pilotprojekt "Gender Medizin" - klinische Forschung

Das BMBF geförderte Pilotprojekt "Gender Medicine" soll die aktuellen Kenntnisse in Bezug auf Geschlechter- und Genderspezifik im Rahmen der Grundlagen- und klinischen Forschung definieren.

In Zusammenarbeit mit der Bioinformatik der CharitéUniversitätsmedizin Berlin wurde ein Text-mining Programm entwickelt um relevante Fachliteratur zu analysieren. Die anfänglichen automatisierten Treffer werden dann auf ihre Geschlechts- und/oder Genderspezifik hin kontrolliert und systematisch gegliedert. Die Endtreffer werden daraufhin in einer öffentlich zugänglichen Datenbank gespeichert. Relevante Artikel werden weiterhin zusammengefasst, von Fachexperten kontrolliert und weiter entwickelt als Übersichtsarbeiten oder Grundlage für Forschungsprojekte.

Ziel dieses Projektes ist die Definition des Faches und die zukünftige Etablierung von Gender Medizin als eine eigenständige Zusatzbezeichnung im Rahmen der ärztlichen Weiterbildung. Weiterhin soll die Analyse der bereits publizierten Forschungsergebnisse helfen, noch wenig bearbeitete Themen aufzudecken und mögliche Richtungen für zukünftige Projekte vorzugeben. Nicht zuletzt wird die Verbreitung der Ergebnisse und Empfehlungen in Fachkreisen und unter Laien Aufmerksamkeit für das Thema steigern und mögliche Kollaborationen fördern.

Stress und Bewältigung bei Patienten mit "Vocal Chord Dysfunction"

Vocal Cord Dysfunktion ist eine Erkrankung der Stimmbänder, charakterisiert durch anfallsartige akute Atemnot hervorgerufen durch eine Verkrampfung/ einen Verschluss der Stimmbänder. Aufgrund der Ähnlichkeit des klinischen Bildes mit Asthma Bronchiale sowie einer relativ hohen Komorbidität von VCD und Asthma bronchiale, wird die Verdachtsdiagnose häufig erst relativ spät, nach mehreren missglückten Therapieversuchen gestellt. Prävalenzschätzungen gehen von ca. 250.000 bis 300.000 VCD-Patienten in Deutschland aus, mit einem deutlich höheren Frauenanteil (ca. 70%).

Vergangene Studien deuten darauf hin, dass psychosoziale Aspekte und Stressstimuli, bzw. geschlechtsspezifische Aspekte der Stressverarbeitung eine entscheidende Rolle hinsichtlich Pathogenese, Manifestation und Prognose der Erkrankung spielen. Zudem zeigt sich häufig eine erhebliche Angst-/Panikkomponente welche in einigen Fällen sogar das klinische Bild dominieren kann.

Ziel der laufenden Studie ist die Analyse psychosozialer Variablen im Kontext der VCD mittels validierter Fragebogen. In Kooperation mit Dr. Kenn (Klinikum Berchtesgadener Land) wird eine kontrollierte Studie an VCD-Patienten/Asthmapatienten durchgeführt, welche eine geschlechtssensible Auswertung ermöglicht.

Gender in Prävention und Implementierungsforschung

Häusliche und sexualisierte Gewalt (das HuSG Projekt)

Dieses Projekt führte zu den ersten Pflichtschulungen für klinisch Tätige in einem Universitätsklinikum in Deutschland. Mehr als 800 Teilnehmende haben uns ermöglicht über 60% des klinisch tätigen Personals zu erreichen. Neben den Fortbildungen wurden auch Arbeits- und Lehrmaterialien produziert, die noch im Gebrauch sind.Die Fortbildungen ermöglichten die Steigerung der allgemeinen Wahrnehmung der Problematik in der Fakultät sodass die Behandlung und die Kommunikation mit Betroffenen von häuslicher Gewalt nun Teil des Pflichtcurriculums der Charité sind. Train the trainer Seminare und Einzelworkshops werden mehrmals jährlich angeboten.


Förderung: Berliner Chancengleichheitsprogramm
Projektleitung: Sabine Oertelt-Prigione
Team: Sabine Jenner, Dr. Saskia Etzold, Dr. Anna Stickel
Dauer: 2010-2012
Website: http://husg.charite.de
Publikation: Barriers to active inquiry about intimate partner violence among German physicians participating in a mandatory training. Jenner et al., J Fam Violence (in press)

Pilotprojekt GenderVWZ

GenderVWZ ist eine Pilotstudie zu Präventionsverhalten, Änderungsbereitschaft und Gesundheitswissen in einer städtischen Bevölkerung, die eine allgemeinärztliche/kardiologische Praxis aufsucht. Wir möchten Geschlechterunterschiede in der Erfahrung mit Präventionsmaßnahmen und in den allgemeinen Kenntnissen zu Präventionsangeboten untersuchen um Informationsflüsse zu verbessern.

Projektleitung: Sabine Oertelt-Prigione
Kooperationspartnerin: Praxis Dr. Natascha Hess
Doktorandin:
Alessa Tschaftary
studentische Hilfskraft: Sarah Hiltner

WPP Charité

Watch-Protect-Prevent (WPP) ist das erste Projekt im deutschsprachigen Raum dass die Prävalenz von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz "Krankenhaus" erforscht. Neben Informationen zu Betroffenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, persönlichen, medizinischen und rechtlichen Konsequenzen und potentiellen Ursachen befassen wir uns mit der Erarbeitung von Präventionsstrategien. Ziel ist die Erarbeitung eines allgemeinen Maßnahmenkataloges zur Prävention von sexueller Belästigung, der an die besonderen Gegebenheiten jedes klinischen Umfeldes angepasst werden kann.

Förderung: Stiftung Charité, Berliner Chancengleichheitsprogramm
Projektleitung: Sabine Oertelt-Prigione
Team: Sabine Jenner
Doktorandinnen: Pia Djermester und Judith Prügl
Dauer: 2014-2016
Website: http://wpp.charite.de

Entwicklung eines allgemeinen Leitfadens zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Ausgehend von den fachspezifischen Erfahrungen im Rahmen des WPP Projektes wurde in Zusammenarbeit mit der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) ein Folgevorhaben konzipiert um ein allgemeines Konzept für Leitfäden zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu erarbeiten.     

Unter Einbeziehung der Informationen aus dem Archiv der Betriebsvereinbarungen der HBS und aus der Praxiserfahrung an der Charité sollen maßgebende Merkmale eines Leitfadens identifiziert werden und dieser nach Testung mit Interessensgruppen der Kollektivität zur Verfügung gestellt werden.

Förderung: Hans-Böckler-Stiftung
Projektleitung: Sabine Oertelt-Prigione
Team: Sabine Jenner
Kooperationspartnerin: Dr. Manuela Maschke (HBS)
Dauer: 2015-2016

Gender in Prävention und Implementierungsforschung

Ziel der Gruppe ist die Entwicklung von innovativen, geschlechtersensiblen und diversitätsorientierten Ansätzen für Prävention und Implementierung in Public Health unter Einbeziehung verschiedener Akteur_innen im Gesundheitssystem.

Wir bearbeiten Projekte mit einem Fokus auf soziale Dimensionen, mit dem Anspruch der Bekämpfung von gender-basierter Diskriminierung und mit Modellcharakter. Demnach beschäftigen wir uns sowohl mit der Entwicklung geschlechtersensibler Präventionsmaßnahmen, als auch mit der Implementierung von ärztlichen Pflichtschulungen zum Umgang mit Betroffenen häuslicher Gewalt und der Entwicklung von Workplace Policies zur Prävention von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz.

Wir sehen unsere Projekte als Pilotansätze um die notwendigen systemischen Schritte zu identifizieren, die die Etablierung von minoritären Gesundheitsansätzen im universitären Ambiente und Gesundheitssystem ermöglichen können.

Arbeitsgruppenleiterin:
Sabine Oertelt-Prigione, Dr. med., MScPH, ist Fachärztin für Innere Medizin, mit Erfahrung in der Grundlagenforschung und in Public Health. Sie hat in multi-kulturellen, mehrsprachigen Teams in mehreren Ländern gearbeitet und ist eine internationale Expertin in der Gendermedizin. Sie ist Autorin von mehr als 40 Publikationen in diesem Feld und Mitherausgeberin eines der ersten internationalen Fachbücher zu Gendermedizin. Neben ihrer akademischen Aktivität ist sie Mitglied mehrerer Vereine und NGOs, begutachtet biomedizinische Start Ups in ihrer Frühphase und bildet sich gerade als systemische Organisationsberaterin fort.

Projekte:

Pilotprojekt GenderVWZ

Häusliche und sexualisierte Gewalt (das HuSG Projekt)

WPP - Watch Protect Prevent

Entwicklung eines allgemeinen Leitfadens zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz